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„New York ist spannend, aber Ostbelgien der Jackpot!“

Nach 13 Jahren ist Eliane Richter wieder aus der pulsierenden Weltmetropole in ihre Heimat Eupen zurückgekehrt. Die Fernbeziehung zu ihrer Jugendliebe hat gehalten. Mehr noch: Sie und ihr Mann sind Eltern einer Tochter geworden. Auch beruflich läuft es für Eliane Richter rund: Seit dem 1. Dezember 2017 ist sie die neue Direktorin des Regionalzentrums für Kleinkindbetreuung. Wer ist diese Frau, die in ganz Ostbelgien verantwortlich ist für 189 Mitarbeiter und rund 2.900 Kinder, die betreut werden?

Internationaler Background

Mit sieben Jahren zog die gebürtige Euskirchenerin mit ihrer Familie nach Eupen. Nachdem sie ihr Mitteschuldiplom an der Eupener Pater-Damian-Schule und in Huy am Internat ihr Abitur abgelegt hatte, lockte die Ferne. „Ich bin zwar Ostbelgierin mit Leib und Seele, aber damals war da einfach dieses Fernweh“, erinnert sie sich zurück. New York sollte es sein. Dort studierte sie Betriebswirtschaft, im niederländischen Groningen darüber hinaus internationale Kommunikation. In Berlin absolvierte sie schließlich den Master in internationalen Beziehungen. Schon während des Studiums schnupperte Eliane Richter in die Berufswelt hinein. Nach ihrem Abschluss baute sie in New York zunächst eine Videoproduktionsfirma mit auf und engagierte sich parallel dazu in vielen UNO-Projekten – unter anderem als Unternehmensberaterin für Stiftungen und Gesellschaften, die Unterstützung bei der Umsetzung von Entwicklungszielen der UNO brauchten.

Mehr als eine „Quoten-Ostbelgierin“

Bereits aus Internatszeiten kannte Eliane Richter das Gefühl, die einzige Ostbelgierin zu sein. In New York war das nicht anders. Das erfüllte sie aber auch mit Stolz. „Ich war immer von Ostbelgien überzeugt und habe das auch vermittelt“, berichtet Eliane Richter. Kuriose Äußerungen wie „Ach ja Belgien – das liegt ja zwischen Brasilien und Russland“ oder „Ist belgisch eine schwierige Sprache?“ kamen ihr auch ab und an zu Gehör. Das brachte sie aber eher zum Schmunzeln. Genauso wie das eine oder andere Foto für die UNO, wo sie nicht selten als „Quoten-Ostbelgierin“ in Erscheinung trat, wie sie schmunzelnd verrät. Aber was genau schätzt sie an ihrer Heimat? „Ganz klar: Die Offenheit. Man kennt verschiedene Kulturen, man kennt verschiedene Sprachen.“

Lebensqualität: Ostbelgien ist Nummer eins

Trotz unbegrenzter Möglichkeiten in der Ferne – für Eliane Richter war seit jeher klar, dass sie irgendwann nach Ostbelgien zurückkehren möchte. Spätestens dann, wenn es darum geht, eine Familie zu gründen. Und das war 2016, mit Anfang 30. „Ich habe New York immer geliebt, für eine gewisse Zeit war diese besondere Stadt mein Zuhause. Aber unschlagbar ist einfach die hohe Lebensqualität in Ostbelgien. Ob Schulwesen, medizinische Versorgung, kulturelles Angebot und natürlich die Kleinkindbetreuung – da kann kaum ein anderes Land mithalten.“ Gerade in puncto Kleinkindbetreuung tut sich zurzeit sehr viel. Bis 2025 soll der komplette Bedarf in Ostbelgien abgedeckt sein. „Ein sehr ambitioniertes Ziel, das mit vielen Umstrukturierungen einhergeht. Gleichzeitig ist dies aber auch eine wundervolle und wichtige Aufgabe. Denn was könnte es Schöneres geben als sich um das Wohlbefinden der Kleinen zu kümmern“, ist Eliane Richter überzeugt. Ihr Motto: Jeder, der in Ostbelgien lebt, hat den Jackpot gewonnen. Einen Karriereknick kann sie in ihrem Fall nicht erkennen. „Ob UNO- oder Lokalpolitik: In beiden Fällen stehen die Menschen im Mittelpunkt. Das ist für mich entscheidend.“

Familie, Freunde und Fritten

Übrigens auch in ihrem Privatleben: „In meinen Augen ist es unbezahlbar, dass ich meine vielen belgischen Freunde und meine Familie wieder um mich habe. Kurz nach meiner Rückkehr habe ich zum Beispiel jeden Morgen mit meiner Oma gefrühstückt, eine sehr intensive Zeit. Wenige Wochen später ist sie leider gestorben.“ Sich Zeit nehmen – ein Luxus, den sie aus der Großstadt gar nicht mehr kannte. Aber auch einen kulinarischen Luxus hat sie nach ihrer Rückkehr wieder in vollen Zügen genossen – Klischee hin oder her: „Wieder zurück in Belgien habe ich sehr viele Fritten gegessen. Aber wahrscheinlich lag das daran, dass ich damals schwanger war“, gibt die 35-Jährige lachend zu.