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Wortgewaltig auf allen Kanälen

Zypern, Indien, Estland, Polen, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Frankreich, England, Australien, Amerika, Niederlande, Luxemburg – die Liste ließe sich ewig fortsetzen. Als Spoken-Word-Künstlerin hat Jessy James LaFleur schon sämtliche Bühnen gerockt. Ihre Texte sind frech, nachdenklich, lustig und manchmal auch zynisch. Ihre Auftritte ein Erlebnis.

Die große Bühne eroberte sie erstmals als 14-Jährige mit einem Rap-Song. „Das war krass. Danach ging es mir wirklich schlecht“, gesteht sie verschmitzt. Mindestens genauso viel Lampenfieber hatte sie vor ihrem Auftritt bei der diesjährigen Regionalkonferenz im Kloster Heidberg. Warum? Zum einen saß ihre Mutter im Publikum. Zum anderen performte sie vor unzähligen Ostbelgiern „frei Schnauze“ ihre ganz persönliche Liebeserklärung an Ostbelgien. Nicht schnulzig, sondern frech, wortgewitzt und mit jeder Menge Humor – aber mit Happy End und versöhnlichen Zeilen zum Schluss. Sämtliche Eigenarten Ostbelgiens kamen hier auf den Tisch: Kuhkäffer, Sprachenwirrwarr, Karneval, Fritte Spezial. Das Publikum fand’s klasse.

Beinahe Ostbelgierin des Jahres

Sprache war für Jessy James LaFleur immer schon Ausdrucksmittel Nummer eins: Mit neun Jahren schreibt sie erste Gedichte, als Teenager beginnt sie zu rappen. Dann entdeckt sie das Genre „Spoken Word“ für sich. Eine Offenbarung.

Nicht nur in deutscher Sprache verfasst sie ihre Texte, sondern auch auf englisch und französisch. Vor zwei Jahren ist sie als erste deutschsprachige Poetin überhaupt bei der belgischen Poetry Slam Meisterschaft aufgetreten. Die Euregio Poetry Slam „Borderlines“ hat sie 2018 als erste und bislang einzige Ostbelgierin gewonnen. Ach ja: Bei der Wahl zum Ostbelgier des Jahres 2018 landete sie auf dem zweiten Platz. Für sie eine Ehre!

Ja, bei Jessy James LaFleur läuft’s würde man auf Neudeutsch sagen. Und obwohl sie leibhaftig auf der Bühne steht, geht ohne Digitalisierung in ihrem Leben mittlerweile gar nichts mehr. Veranstaltungshinweise auf Facebook, Instagram-Storys, YouTube-Videos. „Die Reichweite über soziale Netzwerke ist enorm. Wer sich einen Namen in unserer Szene machen will, muss sich in der digitalen Welt einfach auskennen“, weiß sie aus Erfahrung.

Kuriositäten des Alltags

Ihr Sprachtalent gibt sie mittlerweile auch bei Workshops in ganz Europa weiter. 2015 hat sie in Celle das Jugendprojekt „Angeprangert“ ins Leben gerufen, ein Jahr später die „Prison Slam“ für und mit Insassen in deutschen JVAs.

Einen Hehl hat Jessy James LaFleur übrigens nie aus ihrer Heimat gemacht. Im Gegenteil! An Sätze wie „Warum sprichst du so gut Deutsch?“, „Warum kannst du kein Belgisch?“ und „Euch gibt es ja wirklich!“ hat sich die junge Frau mittlerweile gewöhnt und nimmt’s gelassen. „Man kann ja hervorragend damit spielen, dass uns keiner Ernst nimmt. So stehen uns alle Möglichkeiten offen“, verrät die Künstlerin selbstbewusst.

Und was kommt ihr als erstes in den Sinn, wenn sie an Ostbelgien denkt? „Sehr viele und sehr grüne Wiesen“, sagt sie wie aus der Pistole geschossen und mit einem breiten Grinsen im Gesicht, das gleichzeitig verrät: Auch dafür liebe ich meine Heimat.