Aktuelles

Ostbelgien macht’s vor: Dual erfolgreich in die Zukunft

Mit gutem Beispiel voran

Seit 1992 ist die Deutschsprachige Gemeinschaft autonom für die Berufsausbildung in ihrem Gebiet verantwortlich. Von Anfang an wird das duale Ausbildungssystem, das die schulische mit der betrieblichen Ausbildung verbindet, erfolgreich gefördert: Im Februar  2018 lag die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen in Ostbelgien bei 10,4%, also 10% unter dem Mittelwert von 20,5% in Belgien insgesamt.

Wirtschaftsstandort Ostbelgien

Der Wirtschaftsstandort Ostbelgien ist geprägt von:

  • kleinen und mittleren Unternehmen,
  • Betrieben im herstellenden Gewerbe,
  • 82% der Arbeitgeber beschäftigen weniger als 10 Beschäftigte.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist die duale Ausbildung der effizienteste Weg der Nachwuchssicherung: Es werden genau die Fachkräfte ausgebildet, die benötigt werden. Der demografische Wandel und damit einhergehend der drohende Fachkräftemangel bewirkt eine große Ausbildungsbereitschaft bei den ostbelgischen Betrieben: Durchschnittlich 700 Lehrlinge und 200 Meisterkandidaten befanden sich in den letzten Jahren in über 400 aktiven Ausbildungsbetrieben unter Lehrvertrag oder in Meisterkursen. Ein Anteil, der den der anderen Landesteile proportional weit übersteigt. Parallel dazu belegen Lehrlinge und Meisterkandidaten theoretische Kurse in den Ausbildungszentren in Eupen oder St. Vith.

Lehre als Erfolgsgarant

Die offiziellen Zahlen des Arbeitsamts der Deutschsprachigen Gemeinschaft sprechen für sich: Letztes Jahr fanden 94% aller jungen Menschen mit Berufsausbildung innerhalb eines Jahres nach Eintragung beim Arbeitsamt einen Arbeitsplatz. Die Quote der Hochschulabsolventen lag mit 96% leicht über diesem Wert, während von den Uni-Absolventen nur 84% innerhalt eines Jahres einen Arbeitsplatz fanden. Die hohe Vermittlungsquote untermauert das hohe Niveau der Lehrausbildung, die längst keine Einbahnstraße ist und nach erfolgreichem Abschluss weitere Möglichkeiten bietet:

  • Die weiterführende Meisterausbildung vermittelt Unternehmer- und Führungskompetenz als wertvolle Grundlage für eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensgründung – ein Sprungbrett in die Selbständigkeit in Handel, Handwerk oder Dienstleistungsgewerbe.
  • Die Hochschulreife, die nach einem an die Lehre anschließenden Vorbereitungsjahr erworben werden kann, ermöglicht dem Lehrling ein Studium seiner Wahl. 

„Die  Kombination von Theorie und Praxis, besonders die direkte Eingliederung in laufende Prozesse ist essentiell. Unsere Lehrlinge können Gelerntes direkt und unter realen Bedingungen umsetzen.“ Dr. Verena Greten, Geschäftsführende Direktorin, IAWM

Mit praktischer Übung zum Meister

Thomas Pankert, Direktor des ZAWM Eupen, lenkt die Geschicke des Ausbildungszentrums seit 32 Jahren und hat die Entwicklung des dualen Ausbildungssystems in Ostbelgien aktiv begleitet. Für den engagierten Schulleiter ist der duale Ausbildungsweg die ideale Grundlage für den Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben: „Die Schule ist ein geschützter Raum. Hier werden die Schüler zwar fachlich gut vorbereitet, jedoch werden der Berufsalltag und die realen Arbeitsabläufe nicht abgebildet. Unsere Auszubildenden sind nach ihrer Ausbildung vollwertige Arbeitskräfte, die die Prozesse kennen und gerne ins feste Angestelltenverhältnis übernommen werden." Zahlen belegen das: 2017 hatten rund 95% der Auszubildenden bereits sechs Wochen nach Beendigung ihrer Ausbildung einen Arbeitsvertrag unterschrieben, zahlreiche sogar schon vor den Prüfungen.

Exzellenz auf nationalem und internationalem Niveau

Dr. Verena Greten, Geschäftsführende Direktorin des IAWM, pflichtet Thomas Pankert bei:  „Die  Kombination von Theorie und Praxis, besonders die direkte Eingliederung in laufende Prozesse ist essentiell. Unsere Lehrlinge können Gelerntes direkt und unter realen Bedingungen umsetzen.“

Duale Ausbildung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bedeutet also Ausbildung auf höchstem Niveau, die sich auch im internationalen Wettbewerb problemlos behauptet: Vom 15.-21. Oktober 2017 vertrat der Heppenbacher ZAWM-Schüler Johann Krings bei den WorldSkills 2017, der Olympiade für technische und handwerkliche Berufe, in Abu-Dhabi das belgische Kfz-Handwerk und erzielte die Exzellenzmedaille für besonders herausragende Leistungen. Der Ketteniser John Pauquet verpasste ganz knapp die Exzellenzmedaille im Bereich Fliesenlegen. Weitere Teilnehmer waren Julien Boveroux aus St. Vith und Mischa Meys aus Herbesthal im Garten- und Landschaftsbau sowie die Eupener Anstreicherin Sabrina Scheen.

Aus eins mach zwei: Belgisch-deutsche Doppelabschlüsse

Last but not least, ermöglichen Kooperationsabkommen mit den Handwerkskammern Aachen und Trier ostbelgischen Gesellen belgisch-deutsche Doppelabschlüsse. Kfz-Mechatroniker, Friseure, Einzelhändler und Möbelschreiner erwerben mit einer Ausbildung zwei Gesellenzeugnisse, die in Belgien ebenso gelten, wie in Deutschland. So profitieren jungen Menschen von der Grenzlage Ostbelgiens.